[H'Rangas Kinder] Der 5. Roman: Schlangengrab (MI)

Diskussionen über die Questen und Hintergründe der Phileasson-Saga.
Antworten
Benutzeravatar
phil
Site Admin
Beiträge: 396
Registriert: 18.01.2009, 10:36
Wohnort: Leverkusen
Kontaktdaten:

[H'Rangas Kinder] Der 5. Roman: Schlangengrab (MI)

Beitrag von phil » 25.03.2018, 00:02

Hallo allerseits,

in letzter Zeit ist es hier ja um die Phileasson-Romane etwas still geworden - liest noch jemand mit ;-)? Ich habe die letzten Tagen genussvoll mit dem fünften Band, Schlangengrab, am Strand verbracht - und auch, wenn meine Insel der Wahl sich nicht mit Maraskan messen kann, entpuppte sich die fünfte Queste als ideale Urlaubslektüre. Im Folgenden ein paar Eindrücke - aufgrund akuter Faulheit meinerseits ohne Rücksicht auf Spoiler, wer also den Roman noch lesen möchte, bitte im eigenen Interesse hier ausklinken.

Potenzielle Spoiler ab hier!

Zu den zahlreichen Highlights des Romans gehören für mich ganz klar die Actionszenen - hier haben die Autoren gefühlt nochmal eine Schippe drauf gelegt, was sich schon im Prolog (Beorns Überfall auf Porto Paligan) zeigt. Da die beiden Kontrahenten sich in dieser Queste nicht wirklich begegnen, sondern nacheinander (und unter sehr unterschiedlichen Umständen) den Friedhof der Seeschlangen erreichen, kommt man als Leser in den Genuss von zwei packenden "Showdowns". Was mir in diesem Roman besonders positiv auffiel, war die teilweise überraschende, aber großartig funktionierende Perspektivenwahl in den Actionszenen (auf der Phileasson-Seite sind hier insbesondere Lailath und Tylstyr zu nennen).

Die unumstrittene Hauptdarstellerin ist für mich allerdings ganz klar die Insel Maraskan, die ich seit Witzkos Romanen nicht mehr derart vielgestaltig und farbenfroh erlebt habe - ich hätte gerne weitere acht mal acht mal acht weitere Seiten voll Kladj gelesen! Für Witzko-Kenner kommen einige Wendungen (wie die drei "Handelsreisenden", die sich als als Menschen getarnte Marus entpuppen) vielleicht nicht sehr überraschend, was aber dem Spaß keinen Abbruch tut. Überhaupt können wir alten DSA-Hasen uns über einige Schmankerl freuen - insbesondere Rakorium und sein Schüler Hilbert von Puspereiken sind für mich einfach genau richtig getroffen.

Nachdem die Reihe mich von Anfang an überzeugt hat und die Qualität der letzten Bände immer weiter zunahm, finde ich an Band V nun fast nichts Störendes mehr: Daran, dass einige Eigenschaften der Charaktere immer wieder betont werden (Shaya ist klein, Ohm ist alt, Zidaine ist eine Fechterin, der Dunkelheit anhaftet) hat man sich mittlerweile gewöhnt, und zugegebermaßen mag dies auch ein probates Mittel sein, um Nichtkenner der Saga mit der immer größeren Anzahl an Personen nicht vor den Kopf zu stoßen. Immerhin bekommen auch einige Charaktere, die anfangs recht eindimensional waren, mittlerweile mehr Breite - gerade Irulla, die ich anfangs zwar "cool", aber recht langweilig fand, wächst mir mittlerweile sehr ans Herz.

Alles, was mit der Stainakr-Geschichte zusammenhängt, stört mich nach wie vor und könnte für mich gerne gestrichen werden - auch wenn mittlerweile einiges an Charakterentwicklung daraus entsteht, halte ich den Schock-Einstieg aus Band I immer noch für völlig daneben und fehl am Platze.

Meine leichten Beschwerden bei vorigen Bänden, was die Darstellung von Pardona angeht, kann ich allerdings an dieser Stelle nicht wiederholen - die mit Beorn mitreisende "Göttin" kommt für mich mittlerweile sehr viel glaubhafter rüber und bekommt einige interessante Sequenzen (die auch insbesondere endlich den Absprung von der vormals oft vorherrschenden Sex-Perspektive schaffen).

Als finale Bemerkung sei nochmal die wirklich sauber und perfekt funktionierende Struktur des Romans erwähnt. Die vorigen Bände wirkten ja schon sehr "aus einem Guss", aber hier gelingt es den Autoren tatsächlich noch besser, die richtige Balance aus den verschiedenen Handlungssträngen zu treffen. Dank der zahlreichen liebevollen Details und Charaktere (Kodnas Han muss ich unbedingt noch erwähnen!), die einfach genau richtig getroffen sind, wird Schlangengrab dann endgültig zu einem Highlight der Reihe. Ich könnte an dieser Stelle noch einige weitere Themen anschneiden (zum Beispiel den geschickten Umgang mit den meiner Meinung nach übermäßigen Moby-Dick-Parallelen im Original-AB), belasse es aber erstmal hierbei.

Unterm Strich also ein klares Das wohl! von mir, ich freue mich auf Totenmeer und den Mactans.

Gion
Beiträge: 180
Registriert: 16.05.2012, 14:29
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Beitrag von Gion » 11.05.2018, 22:59

Also ich lese weiter sehr gerne hier mit. Weil ich die Originalliteratur nicht mehr mit der Kneifzange anfasse, bin ich erfreut über jede Zusammenfassung. ;)

Krassling
Beiträge: 2
Registriert: 15.07.2018, 12:38

Re: [H'Rangas Kinder] Der 5. Roman: Schlangengrab (MI)

Beitrag von Krassling » 15.08.2018, 21:45

Hallo Phillip,
Ich leite gerade die Kampagne und schaue daher immer wieder hier rein. Mit deinen diversen Anmerkungen stimme ich fast ausnahmslos überein. Mit einer Ausnahme. Ich finde die Moby Dick Anleihe sehr stimmig. Natürlich hätte man hier etwas mehr verfremden können, aber es gibt weitaus schlechtere geklaute Ideen in Aventurien. Zumal vermutlich nur sehr wenige Spieler das Buch tatsächlich gelesen haben dürften. Die sehr zurückhaltende Gestaltung des Kapitän Bacha ist aus meiner Sicht der einzige wirkliche Schwachpunkt, der spezifisch in diesem Band auftritt.

Antworten